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Rückblick ComicCon Berlin 2016

By 20. Oktober 2016Veranstaltungen

Die nachfolgende Einleitung ist sehr lang, wer direkt zum Eindruck ComicCon Berlin springen möchte, folgt diesem Link. Klick mich.

Der letzte Bericht über eine Veranstaltung, der ich beigewohnt habe liegt schon eine Weile zurück und zwar ist der vom Juni über den Comic Salon Erlangen. Nachzulesen hier.

Zwischendurch war ich zwar auch unterwegs, z.B. auf der ChisaiiCon Hamburg, der Stuttgarter ComicCon, Magnology Hamburg und sogar der GamesCom. (Mir klingeln immer noch die Ohren, wenn ich daran zurück denke) – aber ich habe nicht darüber berichtet. Zum einen aus Zeitgründen, zum anderen weil es nicht wirklich etwas Nennenswertes zu berichten gab.

Im Groben laufen nämliche alle Veranstaltungen, dieser Art in etwa gleich ab.

Man bucht . ca ein dreiviertel Jahr vor der Veranstaltung seinen Tisch und erhält im Laufe der Zeit weitere Informationen, wie z.B Hallenpläne, Platzierungen, Aufbauzeiten und natürlich auch die Rechnung für die gebuchte Leistung. Meistens tauscht man auch Webadressen und Promotionmaterial aus, damit sowohl Veranstalter aber auch Aussteller füreinander werben können.

Vor Ort findet man dann seinen Tisch/Stand baut auf und harrt der Dinge, die dann kommen werden. Üblicherweise verkaufe ich meine Artikel, zeichne für Besucher, unterhalte mich und bewundere vorbeikommende Cosplayer und ihre aufwendigen Kostüme. Ich liebe das. Am Rahmenprogramm nehme ich in der Regel nicht teil, weil ich dafür keine Zeit habe, aber ich laufe meistens zu früher Stunde vor den regulären Öffnungszeiten einmal über den Veranstaltungsort und versuche möglichst viel zu sehen. (Und möglichst vielen bekannten Gesichtern guten Morgen zu sagen und den ersten Schnack auszutauschen.)
Am Ende der Veranstaltungstage, baut man dann möglichst zügig ab, verstaut seine Sachen und zischt über die Autobahn Richtung Heimat. Ich staune immer wieder, wie schnell sich auch sehr große bunte Messehallen innerhalb kürzester Zeit, wieder in reine blank langweilige Räume verwandeln.
Wenn einem die Veranstaltung gefallen hat, nimmt man sich vor Ort gleich mal einen Flyer für das nächste Jahr mit oder stalkt die entsprechenden Webseiten um dann auch ja wieder rechtzeitig mit am Start zu sein.

So oder ähnliche laufen alle Conventions ab. Die einen sind etwas besser organsiert, manchmal wird es auch etwas chaotischer – aber im Großen und Ganzen passt das meist.

Womit wir beim Thema wären. Hier war das leider gar nicht der Fall. 🙁

Rückblickend muss ich sagen. ‚Ich hab es ja geahnt‘ aber ich wollte dem ganzen wider besseren Wissens eine Chance geben. Die ComicCon Berlin fand dieses Jahr zwar zum ersten Mal an diesem Veranstaltungsort in der Messe Berlin statt, hatte seine Premiere aber bereits im Dezember des Vorjahres in Dortmund. Zeitgleich ging ein Mitbewerber in Stuttgart an den Start und rief dort ebenfalls zur ersten ComicCon Deutschlands auf. Die Verwirrung wurde noch größer nachdem sich der eine Veranstalter German ComicCon auf das Label schrieb und der andere ComicCon Germany. Ja was denn nun? Der Übersicht halber werde ich zur Unterscheidung nur von den einzelnen Standorten sprechen.
Es kam dann wie es kommen musste. Dortmund wurde gefühlt möglichst schnell auf den Markt gebracht und schwächelte an vielen Kinderkrankheiten . Da ich nicht selbst vor Ort war, kann ich mich hierbei nur auf das HörenSagen von Kollegen berufen, aber wenn man etwas googelt findet man schon die entsprechenden Blogs und Berichte. 🙂
Aber nun lag ja fast ein ganzes Jahr dazwischen, Dortmund war der Startschuss. In fast einem Jahr werden sie ja was gelernt haben. Schauen wir mal.

Stuttgart hingegen, lies sich mit der Organisation deutlich länger Zeit und man merkte der Veranstaltung rundum an, dass es sich da um ein erfahrendes und eingespieltes Team handelte. Meine Berichterstattung ist sicher auch deswegen etwas sehr subjektiv gefärbt, aber ich bin tatsächlich noch nie so gut wie in Stuttgart betreut wurden. Sowohl vor, während auch als nach der Convention. Natürlich gab es auch dort kleinere Schwierigkeiten (Pappwände), aber ich hatte allzeit das Gefühl, dass die Veranstalter ein offenen Ohr auch für uns kleine Aussteller hatten und gut auf jegliche Kritik und Feedback reagiert haben. Einige Vorschläge wurden jetzt für die nächste Veranstaltung bereits im Anmeldeprozess umgesetzt. Top!

Tja und nun Berlin.

Da fing es beim Anmeldeprozess ja bereits an.
Eingangsbestätigungen von Mails kennt man dort wohl noch nicht. Gefühlt aus dem Nichts kam dann plötzlich doch die Tischbestätigung, sofort gefolgt von der Rechnungsaufforderung. Kann man machen, hinterlässt aber ein etwas schales Gefühl. Auf meine Zu- oder Absage für Dortmund warte ich jetzt seit Drei Monaten übrigens auch noch vergeblich. Gut, dass ich da jetzt erst mal eh nicht mehr hin möchte 😀
Die Rechnung war beglichen und dann passierte lange Zeit (Monate) erst einmal nichts. Zeitgleich wurden aber gebuchte Hollywoodstars und deren Photoshoots und Autogrammpreise fleissig beworben. Von Comics und deren Zeichnern, hörte man leider lange nichts. Zugegeben die anwesenden Stars waren toll und es waren am Ende auch ein paar sehr tolle internationale Künstler da. Dass aber zum Beispiel Babara Canepa auch vor Ort war, entdeckte ich erst zufällig als ich an ihrem Signiertisch vorbei marschierte. Wow. Vielleicht hätte man das vermeiden können, wenn man vorab mal einen Programmplan ins Netzt gestellt hätte.

Aber ich verstehe, dass so etwas schwierig ist, wenn es eine Woche vor Conventionbeginn nicht möglich ist den Ausstellern wenigstens einen Hallenplan zuzuschicken. Aber ich bekam eine Standnummer und wusste zumindest ab ich auf und abbauen darf. Wo war mir zwar nicht ganz klar. Aber hey zwei Messehallen werden schon nicht so groß sein.

Tatsächlich gab es direkt an der Messe, dann auch einen Check-In, der einen zu seinem Platz geführt hat. Das war gut und generell waren die Con-Helfer auch alle sehr freundlich, wenngleich auch Ihnen teilweise wichtige Informationen fehlten. Aber auch da sehe ich die Pflicht bei der Hauptorganisation. Was nicht so schön war, war das in der Zeichneralle dann gleich einmal gebuchte Tische fehlten. Angeblich, weil Händler, diese wohl geklaut hätten, aber auf dem handschriftlichen Plan der Helfer, fehlte dieser wohl auch. Erwähnte ich schon den schalen Eindruck? Der verfestigte sich nur.
Zum Glück war es nicht mein Tisch, der gefehlt hat, später betrachtete ich das aber auch eher als leider. Sonst wäre man vielleicht noch einmal durchroutiert wurden, wobei ich nicht glaube, dass das viel geholfen hätte. Die Platzierung aller Tische und Stände war doch etwas fragwürdig. Da mischte sich Artistalley, mit Zeichenbedarf, mit Comicshops, mit Fressbunden, mit Merchandise, mit wieder Fressbuden, dort mal ein Signierbereich und dann wieder Essen und Merchandise. Ich saß in einer Reihe am Rand der Messe mit ein paaren anderen Künstlern und wir wirkten dort doch etwas verloren und wenig zum Rest zugehörig. Das war sehr schade, zumal sich der Standort dann später auch nur als Durchgang für nur wenige Messebesucher entpuppte. Die Laufwege waren deutlich woanders und als dann noch eine Menschenschlange vor einem der Photoshoots quer durch die Gänge zog, war es natürlich ganz vorbei.
Es ist selten, wenn ich mich auf Messen langweile, aber so hat man zumindest mal die Möglichkeit etwas mehr zu sehen. (Wie üblich hab ich aber keine Bilder gemacht, das ist einfach noch nicht drin bei mir.) Nur soviel gab es da leider nicht und wen hab ich es nicht gefunden. Gedruckte Hallenpläne oder Programmpläne? – Fehlanzeige. Jemanden sagen, wo der eigene Stand ist? Tja Nummer D77. Wo ist das? Tut mir leid weiß ich auch nicht. Da am Burritostand vorbei und dann links. Hier so:

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Okay kämpft man sich eben so durch und schlendert von Shoppingstand zu Shoppingstand. Dabei allerdings – Comics? Fehlanzeige – auf einer ComicCon doch nicht. CrossCult, PlemPlemProductions und der Avant-Verlag waren als einzige Publisher mit  ihrem Programm da. Tokyopop/PopCom hatte immerhin seine deutschen Zeichnerinen Kaja Reinki, Nana Yaa Kyere und Sophie Schönhammer am Start, die ihre Werke präsentierten. Das hat mir gut gefallen. Aber wo war der Rest? Sicher soviel Comicwerk haben wir in Deutschland generell nicht, aber ein bisschen mehr ist es schon. 🙂 Da bin ich mir sicher.
Neben diesen vielen Merchandise-Verkaufständen, gab es aber generell eher wenig zu sehen. Sicher da waren die Panels, auf denen zu interessanten Themen gesprochen wurde, aber diese waren durchgehend überfüllt und Leute, die in den Eingängen standen wurden weggescheucht. Das bestehende Programm wurde teilweise wohl auch spontan geändert, wovon die Besucher am Tag der Veranstaltung erfuhren. Sehr ärgerlich, wenn man sich extra eine bestimmte Uhrzeit gemerkt hat und dann feststellt, dass das was man sehen wollte bereits vorbei ist.
Irgendwo fand wohl auch ein Cosplaycontest statt, wo kann ich nicht sagen. Auf der kleinen Bühne in unserer Nähe, vor der sogar Stühle standen passiert durchgehend alle Tage – nichts. Wenn man die Convention nur besuchen wollte, ohne neben dem Eintritt zusätzliches Geld auszugeben wurde man sicher ziemlich enttäuscht.

Jedem Zeichner wurden laut Vertrag auch ein 15minütiger Spot auf einem Livezeichen-Screen über das Wochenende zugesichert. Mhmm… welcher Stream. Also bei mir war niemand um mich zu filmen, bei den anderen eher auch nicht 😀 mal ab davon ob man das wahrnehmen möchte oder nicht, aber wenn es im Vertrag steht, dann sollte es doch erfüllt werden. Hab ich mal so gelernt irgendwo…

So, wo schimpfe ich jetzt weiter. Ah ja Schlangenmanagment – nicht vorhanden. Versteh ich, dass bei Autogrammen und Fotosessions mit berühmten Stars Schlangen aufkommen, ist auch nicht zu erwarten. Samstag war es nicht möglich USB-Sticks zu kaufen um eine digitale Kopie seines Starfotos zu bekommen. Den Besuchern wurde aber mitgeteilt, dass sie es sich online downloaden können. Das ist ja gut. Sonntag dann aber hieß es, alle Sticks vom Vortag müssen bis 14:00 abgeholt werden und wenig später auch: „Digitale Downloads wird es nicht geben.“ J
Ich würde mich unheimlich ärgern.

Sonntag wurden dann wohl auch mal spontan der Tageskassenpreis erhöht, dafür schloss die Veranstaltung eine Stunde eher. Das wurde mir dann auch nur von den Kollegen mitgeteilt, bei uns war leider niemand von der Orga um es uns zu sagen. Naja, die Randstände übersieht man halt schon mal.

Mir ist bewusst, dass alles was ich hier schreibe sich nun auch etwas, wie die etwas verknarzte Künstlerin anhört, die es nicht geschafft hat ihre Comics zu verkaufen. Sicher ist das auch zum Teil wahr. Aber dass sich eine Veranstaltung auch mal nicht rechnet und man vielleicht gerade so die Betriebskosten wieder rausbekommt – das passiert und das ist für mich eigentlich kein Problem. Das gehört dazu. Aber bei der ComicCon Berlin hatte ich leider insgesamt kein gutes Gefühl. Natürlich ist es schön Freunde und Bekannte wieder zu sehen und ich habe auch tolle Gespräche mit interessierten Besuchern geführt, aber unter dem Strich bleibt das schale Gefühl, dass diese Veranstaltung nur aus dem Boden gestampft wurde um möglichst schnell, möglichst viel Geld aus den Taschen seiner Kunden zu ziehen. Dafür spricht, dass jetzt bereits die dritte Convention dieser Art nun in Frankfurt angekündigt wurde und sich das Ganze auch in Dortmund Ende des Jahres wiederholt. Es ist mir unbegreiflich, wie ein Veranstalter vernünftig gleich drei große Veranstaltungen innerhalb eines Jahres bespielen will, wenn er es noch nicht einmal schafft, eine richtig rund zu machen. Ich würde mir wünschen, dass sich Herr Borchert noch einmal besinnt und seine ganze Kraft und Energie erst einmal in die Organisation einer Veranstaltung steckt und die dann richtig macht. Dann und nur dann, wenn die einmal funktioniert, kann man das Konzept auch ausweiten. Bis dahin werde ich mich von ComicCons dieses Veranstalters wohl erst einmal fernhalten.

Was nicht heißt, dass man mich nicht mehr zu Gesicht bekommt. Gibt ja noch genug anderes.

Dieses Jahr bin ich zum Beispiel noch direkt dieses Wochenende auf der 2. Comic- und Mangaconvention in Hamburg. Im November besuche ich die VIECC Vienna ComicCon in Wien und zum Abschluss des Jahres noch einmal die EpicCon in Frankfurt am Main im Dezember. Ich bin gespannt wie diese Veranstaltungen werden, aber gefühlt kann es gerade nur erst einmal besser werden.

Wart ihr auch in Berlin? Wie war euer erster Eindruck? Geht ihr auf andere Conventions? Was gefällt euch dort? Was nicht? Wo war es bis jetzt für euch am Besten?

So… das war jetzt ein ziemlicher Rant… Aber es war mir wirklich ein tiefes Bedürfnis darüber zu schreiben. Sicher war nicht alles schlecht und ich möchte niemanden widersprechen, dem dieses Wochenende gefallen hat und der seine Freude dort hatte. Aber insgesamt denke ich, da ist noch viel, viel, sehr viel Luft nach oben.

So und als Belohnung für alle, die sich bis hierhin durchgequält haben, gibt es jetzt noch die Bilder, die ich über das Wochenende doch noch zeichnen durfte 🙂

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3 Comments

  • Gerrit sagt:

    Jupp, Stuggi soll klasse gewesen sein. Habe leider keine Tickets bekommen, aber Bekannte waren doch recht angetan. So isses halt, wenn man sich erstmal um die Orga und dann um das Ranschaffen der Stars kümmert. 😀

    Mal schauen, ob da nächstes Jahr was zu machen ist, dass ich da auch mal durch die Hallen schlendere…

  • Max Vähling sagt:

    Huch, dann bin ich ja fast froh, dass ich mir das nicht angetan habe. Über Dortmund hatte ich anfang des Jahres auch noch viel Negatives gehört, aber immer weniger, je länger es her war – im Vergleich mit Hannover und sogar Stuttgart erschien es anscheinend einigen Leuten doch ganz gut, oder sie wollten für sich nur rechtfertigen, dass sie jetzt in Berlin investiert waren…

    Deine Einschätzung zu Stuttgart kann ich 100% teilen. Etwas verplant, aber die Veranstalter haben sich wirklich Mühe gegeben und schon signalisiert, sich nächstes Mal noch mehr Mühe zu geben.

  • Evelyn sagt:

    ich war mit Freunden zum ersten mal auf einer ComicCon und für mich wird es auch das letzte Mal gewesen sein. Wir hatten Wochenendtickts und ich hätte nicht gewusst, wie ich einen zweiten Tag dort rumkriegen soll. Ich bin hingefahren weil ich neuen Input zu Comics wollte… da geht man vll besser auf die Leipziger Buchmesse. Dich und die anderen Comicstände habe ich nur ganz kurz gesehen, da war meine Laune aber schon im Keller :C
    Ich nehme mit: überzogene Preise und Plastemüll, ne Halle voller Comics leider nicht 🙁

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